Balkan by Bike – 01 – how to?!

Ganz von vorn: Wie plane ich so eine Reise?

Ich plane alle meine Radreisen in Garmin BaseCamp um tatsächliche Kilometer und vor allem Höhenmeter abschätzen zu können. Für Reisen in Europa kann ich die OpenFietsMap Europe  wärmstens empfehlen. Sie enthält Straßen und Radwege aber auch Wanderwege und Pfade die beispielsweise in der Topo Active Europe von Garmin nicht enthalten ist. Im Prinzip ist es eine topografische Karte mit farblich hervorgehobenem Fernradwegenetz. Zu den OFM/OSM Problemen komme ich später noch. Als Erstes setze ich Wegpunkte überall dort wo ich vorbei kommen möchte. Diese Punkte basieren auf Empfehlungen von FreundInnen, KollegInnen, online Recherchen und ganz klassischer Reiseliteratur (wie z.B. die jahrzehnte dicke Sammlung GEOspecial Hefte meiner Eltern). Teilweise sind diese Empfehlungen auch Streckenabschnitte oder Wege. Diese versuche ich wenn möglich als GPX Datei zu bekommen, andernfalls rekonstruiere ich Sie in Basecamp. Meistens lässt sich nun schon eine grobe Reiserichtung erkennen die dann weiter ausgearbeitet werden muss. Dabei bemerkt man dann schnell was möglich ist und was nicht: Durch simples verbinden einzelner gesammelter Wegpunkte kommen schnell Distanzen (und vor allem Höhenmeter) zusammen die astronomisch hohe Werte erreichen. Nun gilt es abzuwägen welche Ziele fix sind, was diskutabel ist (wollen wir wirklich für diesen Wasserfall 90km Umweg mit 1400 Höhenmetern fahren?) und vor allem was in der gesetzten Zeit auch realistisch zu fahren ist. Steht ein erster Entwurf der Route gilt es diese zu optimieren: BaseCamp routet nicht nach „Schönheit“ einer Strecke! Nur weil die Software vorschlägt so zu fahren, heißt es nicht das dies auch sinnvoll ist: vielbefahrene Straßen oder Hauptverkehrsstraßen würde ich immer wo möglich meiden. Ganz vermeiden lässt es eh nicht und bedeutet immer Stress und ein gewisses Gefahrenpotential durch andere, meist überlegenere Verkehrsteilnehmer. Manchmal ist es möglich auf Forstwege oder Schotterpisten auszuweichen, letztendlich bleibt aber jedem selbst überlassen wie weit man dort gehen möchte. (vom deutlich geringeren Fahrtempo auf Schotter und meist längeren Wegen ganz abgesehen) Kleiner Tipp: auf einem zweiten Bildschirm den gleichen Kartenausschnitt bei Google maps öffnen und anhand der Satellitenbilder die Straße und Umgebung beurteilen. Fehler in OSM basierten Karten sind nämlich nicht auszuschließen und die persönliche Schmerzgrenze welcher Weg noch „beradelbar“ ist mag stark variieren.

Je nachdem wie akribisch man so eine Reise planen will dauert das ausarbeiten der Strecke viel Zeit. In diesem Fall waren es bestimmt 10 Stunden oder mehr, inklusive verschiedener Optionen für extra Ziele für den Fall wir das wir schneller als gedacht wären und Abkürzungen für den Fall das wir länger brauchen oder Unvorhergesehenes passiert.

Wenn alles fertig ist bleibt die große Frage: wie realistisch ist mein Plan? Die so ausgearbeitete Route kann nur so gut sein wie Kartenmaterial und Planung es ermöglichen. Unsere finale Route sah in etwa so aus:

1.427Km, 34.652Hm in 31 Tagen

Mit einem Tag für die Anreise, einem Tag für die Abreise bleiben ohne Pausentage ca. 50km und 1.195Hm pro Tag. Das dies eine Milchmädchenrechnung ist wird jedem klar sein, der schon mal mit dem Rad längere Distanzen gefahren ist.  Zum einen sind richtige Pausentage bei Touren die länger als eine Woche sind echt wichtig, Spaß soll das ganze ja auch machen und deutlich über 1000Hm pro Tag sind auch heftig. Hier sollte man beachten das die Höhenmeterangaben mit OFM/OSM Karten in Basecamp meistens deutlich zu hoch sind. Das liegt meines Wissens daran das die Höheninformationen in der Karte keine Tunnel und Brücken berücksichtigen. Im Routing sieht eine Fahrt durch einen Tunnel im Höhenprofil aus wie „einmal komplett über den Berg drüber gefahren“, was natürlich nicht der gefahren Realität entspricht. Zum Vergleich habe ich das aufgezeichnete Höhenprofil der Reise hier:

1.503km – 20.948Hm

Eine richtige Faustregel zur Abschätzung realer Höhenmeter gibt es leider nicht, je bergiger das Relief umso größer wird der Fehler sein. Auf die Daten zur Länge der Stecke kann man sich jedoch wirklich verlassen.

Eine weitere Besonderheit quasi aller OSM basierter Karten ist die landestypische Schreibweise für Straßen, Städte und POI. Diese weichen häufig von den „eingedeutschten“ in GoogleMaps ab, wenn ein andere Alphabet (in unserem Fall Kyrillisch) dazu kommt, kann es zu Verwirrungen kommen. Die Verständigung mit Locals wird aber meist einfacher wenn man sie nach Städten in Ihrer Sprache fragt.

Was wäre wenn…

Es kann auf langen Reisen die möglichst fernab von Menschen geplant wird immer zu Unvorhergesehenem wie Unfällen, Krankheiten, Defekten, etc. kommen. Versucht diese Fälle in der Planung mitzudenken. Das kann z.B. bedeuten euch kritische Abschnitte zu markieren und gezielt einen Pausentag zur Regeneration und Wartung des Rads zu machen. Für Länder außerhalb der EU kann es sinnvoll sein eine Prepaid-Simkarte zu kaufen oder vorab zu recherchieren ob es in der Region überhaupt ein Mobilfunknetz gibt. Weitere wichtige Informationen wie Einkaufsmöglichkeiten vor langen Etappen können hilfreich sein, ebenso wie das Bahnnetz ausgebaut ist und welche anderen Transportoptionen mit eventuellen lokalen Besonderheiten bestehen. Letztendlich ist informiert sein gut und wichtig, vor Ort ist dann sowieso vieles Anders als gedacht. Davon sollte man sich nicht aus der Ruhe bringen lassen und improvisieren können, denn das macht ja auch einen Teil einer solchen Reise aus…

Wir hatten zusätzlich ein InReach Mini von Garmin für alle Fälle dabei. Dabei handelt es sich um einen Iridium-Pager der in vorgegeben Intervallen seine Position über das Iridium Satelliten-Netz sendet. Dazu gibt es die Optionen einen Notruf abzusetzen, SMS & E-Mails zu verschicken sowie (mit gekoppeltem Smartphone) eine Garmin Offline Karte zu nutzen. Da wir ja so autark wie möglich reisen wollten haben wir jeden morgen eine Nachricht mit „Fahren los“ und Abends eine mit „Angekommen, alles gut“ gesendet. Gebraucht haben wir die SOS-Funktion zum Glück nicht, aber es ist schon beruhigend zu wissen das man die Möglichkeit hat.

 

 

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