Balkan by Bike – 03 – Anreise & erste Etappe

Der erste Tag unseres Urlaubs startete sehr früh morgens. Um so umweltfreundlich wie möglich zu reisen, hatten wir beschlossen, für die Anreise zum eigentlichen Startpunkt den Zug zu nehmen. Da es uns leider nicht gelungen war mit den Fahrrädern einen Platz im NightJet zu bekommen (Es gibt in manchen NJs nur 2 Fahrradplätze) hatten wir einen Bummelzug genommen: den EuroCity 115, der uns nach fast 11 Stunden Fahrzeit (wenn alles gut gehen sollte) ohne Umsteigen von Düsseldorf nach Villach brachte. Da dieser tagsüber fährt, ging für die Anreise dann auch leider unser erster Urlaubstag drauf. Um zumindest ein paar Kilometer zu fahren, bogen wir mit untergehender Sonne auf den AlpeAdria Radweg ein und schafften sogar noch die knapp 40km zur italienisch – slowenischen Grenze. Wir fanden einen netten Platz fürs Zelt, eine große Wiese voller lila Herbstzeitlose, nur durch einen Erdwall vom Radweg getrennt.

Etappe 1: 41km – 570Hm


Nach einer recht kalten Nacht um den Gefrierpunkt begann der nächste Morgen mit strahlendem Sonnenschein. Nach Kaffee & Müsli stand uns mit dem Vršič-Pass die erste richtige Herausforderung bevor. Diese über 100 Jahre alte Pass-Straße besteht aus 50 Serpentinen die netterweise mit kleinen Schildern nummeriert sind. In einigen Haarnadelkurven bremst auch noch Kopfsteinpflaster alle Radreisenden aus und die maximal 14% Steigung welche die Wikipedia angibt fühlten sich zeitweise deutlich untertrieben an. Dank des etwas zu guten Wetters waren wir natürlich nicht alleine in dieser traumhaft schönen Bergwelt unterwegs. Die meisten Motorradfahrer hielten aber vorbildlich Abstand beim Überholen und grüßten auch. Die Straße ist schmal, manche der Kurven sehr steil und mir war viel zu warm, obwohl sich die Straße die meiste Zeit durch den Wald den Berg nach oben schlängelt. Nach überschaubaren 12km hat man, von Norden kommend, die 800 Hm zum Sattel erklommen und steht vor einem grandiosen Blick ins Soča-Tal. Für uns hieß es erst mal Pause machen und Mittagessen kochen.

Das Schönste an so langen Steigungen ist ja meistens die phänomenale Abfahrt danach: frisch gestärkt ging es die vielen Serpentinen wieder auf der Südseite hinunter. Adrenalin pur! Mit einem kurzen Abstecher zum Auffüllen unserer Wasserflaschen ging es weiter das Soča-Tal hinunter. Der Versuch ein Stück abzukürzen und dabei vielleicht einen Schlafplatz zu finden endete darin, das wir uns etwas verloren auf einem Wanderweg wiederfanden der zum einen nicht mit dem Rad befahrbar war, zum anderen über eine Brücke führte, die wegen Einsturzgefahr gesperrt war. Nach viel Flucherei und einer längeren Schiebepassage fanden wir einen netten Platz direkt an der Soča, der sogar Bäume für unsere Hängematten hatte.

Etappe 2:  55,3Km – 1067Hm


Der nächste Morgen startete irgendwie holprig. Nachdem ich nicht so richtig gut geschlafen hatte (die Soča ist echt laut!) wurden wir etwas ruppig zum Aufbrechen aufgefordert. „Leave! Now! You have 10 minutes!“ – Wir hatten im halbdunkel das wirklich kleine, halb überwachsene „Privat“ Schild einfach nicht gesehen. Etwas genervt von diesem Anfänger-Fehler suchten wir uns knapp 10km weiter eine zugängliche Stelle zur Soča um bei strahlendem Sonnenschein Kleidung und Fahrer zu waschen. Der Temperaturschock hätte nicht größer sein können, Gebirgsflüsse sind ja bekanntlich frisch.

Der Radweg wurde kurz darauf zur Schotterpiste, vermutlich eine alte Bahntrasse, denn wir passierten immer wieder kleine Gebäuderuinen direkt am Weg und auch die Steigungen hielten sich sehr in Grenzen. Nach einem kurzen Zwischenstopp beim Supermarkt in Kobarid wechselten wir wieder auf einen unbefestigten Weg, der mit jedem Kilometer schlechter wurde bis uns nichts anderes übrig blieb als wieder abzusteigen und die Räder einen steilen Pfad aus groben Geröll hoch zu schieben. Spätestens jetzt war die Laune so richtig im Keller. Das sowas absehbar war hätte uns klar sein können: Außer einer kleinen Radtour hatten wir uns vorher sportlich nicht nennenswert vorbereitet. Unsere Hoffnung, die Fitness komme schon im Laufe der Reise, rächte sich jetzt gnadenlos. Ich hatte echt Muskelkater, diese Belastung mit 17kg Gepäck, einem neuen Rad mit neuem Sattel war ich einfach nicht gewohnt. Bei der nächstmöglichen Gelegenheit verließen wir den „Radweg“ und wechselten auf die, leider recht vielbefahrene, Straße. Wie die Tage davor fanden wir hinter der Stadt Lozice im halbdunkel ein Stück Strand das ausreichend geschützt war um unbemerkt das Zelt aufzustellen.

Etappe 3: 66,2km – 850Hm


Der vierte Tag begann ohne eine Wolke am Himmel und mit einem badenden Hund vor dem Zelt. Das Mittelmeer war in greifbarer Nähe und wir hoch motiviert weiter zu fahren. Nach wenigen Kilometern standen wir vor einem gesperrten Radweg. Der Asphalt war in bestem Zustand, der Grund der Sperrung war uns unerklärlich und die Umleitung mit viel Steigung war so früh am Tag wenig attraktiv. Wir waren uns relativ schnell einig es einfach drauf anzulegen und den Weg trotzdem zu nehmen. Im schlimmsten Fall würden wir halt umkehren müssen, wozu es glücklicherweise nicht kam. Ohne Probleme erreichten wir die Grenze: Hallo zurück in Italien! Der kleine See im Naturreservat Di Lago Doberdò war für die Mittagspause nicht sinnvoll gelegen also fuhren wir weiter: Die Mittagspause am Meer zu machen war Motivation genug – Es war eh viel zu warm um die Mittagszeit und so saßen wir dann eine ganze Weile im Schatten alter Bäume im Hafen eines kleinen Örtchens und tranken Kaffee.

Nach der Pause ging es über den Küstenweg nach Triest. Das Kontrastprogramm hätte größer nicht sein können: von 0 auf 100 waren wir in einer sehr lauten, sehr hektischen Stadt voller gestresst – aggressiven Autofahrer die mit ihrer sehr verschlungene Straßenführung und unendlich vielen Einbahnstraßen mir so ziemlich den letzten Nerv raubte. Der Radweg aus der Stadt heraus, zurück in die Berge, war dann trotz des fehlenden Asphalts eine echte Erlösung. Naja und ein einzig langer Anstieg mit malerischem Blick über die Stadt, der zum Glück nicht super steil und dabei auch sehr homogen war.  Unterwegs lernten wir ein Pärchen aus Deutschland kennen, die auch mit dem Rad in der Region unterwegs waren. Spontan ergab sich, das die Beiden auch noch kein Ziel hatten und beschlossen ein Stück gemeinsam zu fahren. Als gemeinsamen Zeltplatz fand sich eine verstecke Wiese kurz hinter der Grenze nach Slowenien.

Etappe 4: 82,9km – 1001Hm


Nach einer recht ruhigen Nacht und gemeinsamen Frühstück trennten sich unsere Wege wieder. Wir waren einfach deutlich zügiger unterwegs. Da es wieder relativ heiß werden sollte, war unsere größte Sorge nicht genug Wasser dabei zu haben. Ein kleiner Umweg, der dem verschütteten Radweg geschuldet war, gestaltete sich dann doch etwas abenteuerlicher als erwartet. Vor allem loses Geröll und schlechte Beschilderung machten uns etwas zu schaffen, führte uns aber zum Glück an einem kleinen Friedhof vorbei. Da es in weiten Teilen Europas auf Friedhöfen einen öffentlichen Wasserhahn gibt, war das unsere Chance die Flaschen wieder aufzufüllen. Kurz darauf trafen wir Marco, einen Italiener mit dem Rennrad auf dem Weg nach Athen war, und der uns im nächsten Ort spontan auf eine Cola einlud.

Auf die kurze Pause folgte ein sehr stressiges Stück über Landstraße Richtung Rijeka. Es ist leider die einzige Straße weit und breit, also nehmen sie alle Verkehrsteilnehmer. Sengende Sonne, kein noch so kleines Stückchen Schatten und sehr viele LKWs, die viel zu eng an uns vorbei donnerten. Ich hatte bald echt keine Lust mehr. Für etwas Entschädigung sorgte dann die lange und kurvenreiche Abfahrt durch ein schmales Tal nach Rijeka. So richtig konnten dort aber auch nicht entspannen, da wir mussten dringend Lebensmittel einkaufen mussten. Naja. und ein miniUSB-Kabel. Ich hatte es total übermüdet beim Packen zu Hause am Laptop stecken lassen. Blöderweise was das die fehlende Verbindung um mit dem Guide 10 von Goal Zero die Akkus fürs GPS zu laden. Letztendlich hatten dann echt Glück: ein kleiner Handyladen hatte ein Allerletztes in der Vitrine und die folgenden 12€ Lehrgeld dafür gingen auf mein Konto. (Naja und ein Bier, wir hatten die Abmachung, das derjenige, dem zuerst auffällt das er etwas vergessen hat, ein Bier ausgeben muss) Nach einen kurzen Besuch im Hafen (Ich wollte unbedingt einen Blick auf die „Galeb“ werfen) fuhren wir stadtauswärts eine, mal wieder, sehr bergige, stark befahrene Straße hinauf um kurz hinter Kraljevica einen Campingplatz anzusteuern: Wir wollten unbedingt einen Pausentag einlegen um zu waschen, mal wieder richtig zu duschen und in der Hängematte zu faulenzen. Ach ja, und die Fahrräder wollten wir auch noch warten.

Etappe 5: 97,9km – 1362Hm

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.