Balkan by Bike – 07 – arschkalt & fast forward

Nach längerer Diskussion war klar, Sharr Mountain National Park musste einfach sein, 1150 Höhenmeter hin oder her. Wir hatten im Hostel neue Kraft tanken können und die Landschaft sollte – mal wieder – atemberaubend sein. Leider startete der Tag kalt, nass und wolkenverhangen. Nach einem kurzen Besuch beim Bäcker fuhren wir stadtauswärts, vorbei an Ausflugslokalen und durch kleine Dörfer. Während des zweiten Frühstücks hielt eine Familie mit einem Allrad-Expeditions-Camper neben uns und fragte, ob sie uns mitnehmen solle. Ich muss zugeben, ganz kurz hatte ich den Gedanken, das Angebot anzunehmen. Wir entschieden uns dann aber doch, dankend, den Nationalpark mit eigener Kraft zu durchqueren. Die „atemberaubenden Landschaft“ ließ sich allerdings nur erahnen, der Nebel war so dicht, dass Alles, was weiter als 20m entfernt war, von einer großen weissen Wand verschluck wurde. Mit zunehmender Höhe wurde es auch empfindlich kalt. Bald hatten wir alle unsere Bekleidungsschichten an und froren trotzdem vor uns hin.

Spürbar wärmer wurde es erst wieder im Tal und auf dem Weg zur Grenze nach Nord-Mazedonien.  In Skopje angekommen, nahmen wir wieder mangels Alternativen ein Zimmer in einem Hostel in Nähe des Bahnhofs. David hatte in den letzten Tagen bereits immer mal wieder diffuse Knieschmerzen gehabt, die jedoch immer wieder von selbst verschwanden, sich jetzt aber hartnäckig hielten. Wir fassten den Plan, einen Tag länger als geplant in Skopje zu verbringen, die Stadt zu erkunden und dafür den Zug über Prilep nach Bitola zu nehmen, um sein Knie zu schonen.

Etappe 18: 104km – 1517Hm

Der Zug sollte morgens um 6:04 fahren. Das war eindeutig zu früh. Wir hatten aber die Hoffnung, dass so früh niemand aus Skopje raus fahren wollte und der Zug möglichst leer sein würde. So richtig sicher, ob das mit den Fahrrädern klappen würde, waren wir nämlich nicht, trotz der Beteuerungen der netten Dame am Schalter. Wie sich zeigen sollte, war diese Sorge berechtigt:

Seit die Nord Mazedonische Bahngesellschaft neue Züge in China gekauft hat, nehmen sie keine Radfahrer mehr mit. Leider hatte uns das die Dame am Ticketschalter im Hauptbahnhof in Skopje so nicht gesagt. Trotz des eines gültigen Tickets wurden wir nicht mitgenommen. Da half auch keine „Überzeugungsarbeit“ beim Schaffner. Während im Kosovo quasi jeder Englisch oder sogar Deutsch spricht, versteht in Nord Mazedonien quasi niemand Englisch. Oder möchte es nicht verstehen.

Da standen wir nun ganz schön verloren und etwas ratlos alleine am Bahnsteig. Zurück im Hostel musste erstmal Frühstück her. Nach einer kurzen Beratung bekamen wir den Tipp, es mit einem Überland-Bus zu versuchen. Das war erst mal unsere nächste Hoffnung. Am Busbahnhof verstanden wir schnell, wie es läuft: Erst mal mit dem Busfahrer sprechen, mit diesem verhandeln und dann am Schalter ein Ticket kaufen. Rückblickend war das doch sehr einfach und unkompliziert und dank eines kleinen Taschengeldes wurden wir mitsamt unserer Räder und dem Gepäcks bis Ohrid, am gleichnamigen See, mitgenommen.

Dort angekommen nutzten wir die Wartezeit, um einen kleinen Abstecher an den recht malerischen See und in die historische (und von Touristen bevölkerte) Altstadt zu machen. Nach ziemlich ähnlichen Verhandlungen, diesmal unterstützt vom sehr netten Aufseher des Busbahnhofs, fuhren wir mit dem nächsten Bus weiter bis Bitola, um von dort weiter mit dem Rad über die Grenze nach Griechenland zu fahren. Nach wenigen Kilometern fanden wir kurz vor Phlorina zwischen zwei Maisfeldern einen geschützten Platz fürs Zelt. Das Highlight des Tages: endlich wieder in der EU & endlich wieder EU-Datenroaming!

Etappe 19: 283km, davon 37km mit dem Rad

Der nächste Morgen brach an und damit mein Geburtstag: Wir rollten im Morgengrauen der aufgehenden Sonne entgegen nach Pholrina, um im Ortskern zur Feier des Tages einen Kaffee zu trinken und zu frühstücken. Um diese Uhrzeit waren fast ausschließlich Berufspendler unterwegs, die im einzigen Café im Ort rauchten und Espresso tranken. Dazu bollerte ein kleiner Holzofen gegen die morgentliche Kälte an. Bei Kaffee und Simet überlegten wir, ob wir die letzten Kilometer nach Thessaloniki mit dem Rad oder dem Zug zurück legen sollten. Da sich Davids Knieschmerzen nicht wesentlich gebessert hatten und wir so vermutlich zwei Tage länger gebraucht hätten, entschieden wir uns, es noch einmal mit den Zug zu versuchen. Mit dem Fahrrad den Regionalzug zu nutzen, ist in Griechenland überhaupt kein Problem, solange man vor der Fahrt mit dem Schaffner spricht und genügend Platz im Zug ist.

Diesmal hatten wir mehr Glück und nach zwei Stunden Fahrt kamen wir in Thessaloniki an. Auch mit ausgiebiger Recherche mussten wir einsehen, das alle Hotels zu teuer und die Campingplätze zu weit außerhalb der Stadt lagen. Also buchten wir spontan ein AirBnB mitten in der Stadt, um dort die letzten 3 Tage zu schlafen, die Stadt zu erkunden und die Fahrräder für den Flug nach Hause zu verpacken.

Zurückblickend muss ich sagen, der Balkan hat bei mir echt Eindruck hinterlassen. Vor allem Albanien, Montenegro und der südliche Teil des Kosovo haben es mir angetan. Diese Regionen werde ich mit weiteren Reisen garantiert noch einmal ausführlichere Besuche abstatten. Vielen Dank an dieser Stelle an David für die grandiose Zeit, den unfassbar großen Spaß, auch in den herausfordernden Situationen und dafür, dass du verrückt genug warst, mit mir diese Reise zu machen!

 

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