Balkan by Bike – 03 – Anreise & erste Etappe

Der erste Tag unseres Urlaubs startete sehr früh morgens. Um so umweltfreundlich wie möglich zu reisen, hatten wir beschlossen, für die Anreise zum eigentlichen Startpunkt den Zug zu nehmen. Da es uns leider nicht gelungen war mit den Fahrrädern einen Platz im NightJet zu bekommen (Es gibt in manchen NJs nur 2 Fahrradplätze) hatten wir einen Bummelzug genommen: den EuroCity 115, der uns nach fast 11 Stunden Fahrzeit (wenn alles gut gehen sollte) ohne Umsteigen von Düsseldorf nach Villach brachte. Da dieser tagsüber fährt, ging für die Anreise dann auch leider unser erster Urlaubstag drauf. Um zumindest ein paar Kilometer zu fahren, bogen wir mit untergehender Sonne auf den AlpeAdria Radweg ein und schafften sogar noch die knapp 40km zur italienisch – slowenischen Grenze. Wir fanden einen netten Platz fürs Zelt, eine große Wiese voller lila Herbstzeitlose, nur durch einen Erdwall vom Radweg getrennt.

Etappe 1: 41km – 570Hm


Nach einer recht kalten Nacht um den Gefrierpunkt begann der nächste Morgen mit strahlendem Sonnenschein. Nach Kaffee & Müsli stand uns mit dem Vršič-Pass die erste richtige Herausforderung bevor. Diese über 100 Jahre alte Pass-Straße besteht aus 50 Serpentinen die netterweise mit kleinen Schildern nummeriert sind. In einigen Haarnadelkurven bremst auch noch Kopfsteinpflaster alle Radreisenden aus und die maximal 14% Steigung welche die Wikipedia angibt fühlten sich zeitweise deutlich untertrieben an. Dank des etwas zu guten Wetters waren wir natürlich nicht alleine in dieser traumhaft schönen Bergwelt unterwegs. Die meisten Motorradfahrer hielten aber vorbildlich Abstand beim Überholen und grüßten auch. Die Straße ist schmal, manche der Kurven sehr steil und mir war viel zu warm, obwohl sich die Straße die meiste Zeit durch den Wald den Berg nach oben schlängelt. Nach überschaubaren 12km hat man, von Norden kommend, die 800 Hm zum Sattel erklommen und steht vor einem grandiosen Blick ins Soča-Tal. Für uns hieß es erst mal Pause machen und Mittagessen kochen.

Das Schönste an so langen Steigungen ist ja meistens die phänomenale Abfahrt danach: frisch gestärkt ging es die vielen Serpentinen wieder auf der Südseite hinunter. Adrenalin pur! Mit einem kurzen Abstecher zum Auffüllen unserer Wasserflaschen ging es weiter das Soča-Tal hinunter. Der Versuch ein Stück abzukürzen und dabei vielleicht einen Schlafplatz zu finden endete darin, das wir uns etwas verloren auf einem Wanderweg wiederfanden der zum einen nicht mit dem Rad befahrbar war, zum anderen über eine Brücke führte, die wegen Einsturzgefahr gesperrt war. Nach viel Flucherei und einer längeren Schiebepassage fanden wir einen netten Platz direkt an der Soča, der sogar Bäume für unsere Hängematten hatte.

Etappe 2:  55,3Km – 1067Hm


Veröffentlicht am von Jonathan

Balkan by Bike – 03 – Anreise & erste Etappe

Der erste Tag unseres Urlaubs startete sehr früh morgens. Um so umweltfreundlich wie möglich zu reisen, hatten wir beschlossen, für die Anreise zum eigentlichen Startpunkt den Zug zu nehmen. Da es uns leider nicht gelungen war mit den Fahrrädern einen Platz im NightJet zu bekommen (Es gibt in manchen NJs nur 2 Fahrradplätze) hatten wir einen Bummelzug genommen: den EuroCity 115, der uns nach fast 11 Stunden Fahrzeit (wenn alles gut gehen sollte) ohne Umsteigen von Düsseldorf nach Villach brachte. Da dieser tagsüber fährt, ging für die Anreise dann auch leider unser erster Urlaubstag drauf. Um zumindest ein paar Kilometer zu fahren, bogen wir mit untergehender Sonne auf den AlpeAdria Radweg ein und schafften sogar noch die knapp 40km zur italienisch – slowenischen Grenze. Wir fanden einen netten Platz fürs Zelt, eine große Wiese voller lila Herbstzeitlose, nur durch einen Erdwall vom Radweg getrennt.

Etappe 1: 41km – 570Hm


Nach einer recht kalten Nacht um den Gefrierpunkt begann der nächste Morgen mit strahlendem Sonnenschein. Nach Kaffee & Müsli stand uns mit dem Vršič-Pass die erste richtige Herausforderung bevor. Diese über 100 Jahre alte Pass-Straße besteht aus 50 Serpentinen die netterweise mit kleinen Schildern nummeriert sind. In einigen Haarnadelkurven bremst auch noch Kopfsteinpflaster alle Radreisenden aus und die maximal 14% Steigung welche die Wikipedia angibt fühlten sich zeitweise deutlich untertrieben an. Dank des etwas zu guten Wetters waren wir natürlich nicht alleine in dieser traumhaft schönen Bergwelt unterwegs. Die meisten Motorradfahrer hielten aber vorbildlich Abstand beim Überholen und grüßten auch. Die Straße ist schmal, manche der Kurven sehr steil und mir war viel zu warm, obwohl sich die Straße die meiste Zeit durch den Wald den Berg nach oben schlängelt. Nach überschaubaren 12km hat man, von Norden kommend, die 800 Hm zum Sattel erklommen und steht vor einem grandiosen Blick ins Soča-Tal. Für uns hieß es erst mal Pause machen und Mittagessen kochen.

Das Schönste an so langen Steigungen ist ja meistens die phänomenale Abfahrt danach: frisch gestärkt ging es die vielen Serpentinen wieder auf der Südseite hinunter. Adrenalin pur! Mit einem kurzen Abstecher zum Auffüllen unserer Wasserflaschen ging es weiter das Soča-Tal hinunter. Der Versuch ein Stück abzukürzen und dabei vielleicht einen Schlafplatz zu finden endete darin, das wir uns etwas verloren auf einem Wanderweg wiederfanden der zum einen nicht mit dem Rad befahrbar war, zum anderen über eine Brücke führte, die wegen Einsturzgefahr gesperrt war. Nach viel Flucherei und einer längeren Schiebepassage fanden wir einen netten Platz direkt an der Soča, der sogar Bäume für unsere Hängematten hatte.

Etappe 2:  55,3Km – 1067Hm


Der nächste Morgen startete irgendwie holprig. Nachdem ich nicht so richtig gut geschlafen hatte (die Soča ist echt laut!) wurden wir etwas ruppig zum Aufbrechen aufgefordert. „Leave! Now! You have 10 minutes!“ – Wir hatten im halbdunkel das wirklich kleine, halb überwachsene „Privat“ Schild einfach nicht gesehen. Etwas genervt von diesem Anfänger-Fehler suchten wir uns knapp 10km weiter eine zugängliche Stelle zur Soča um bei strahlendem Sonnenschein Kleidung und Fahrer zu waschen. Der Temperaturschock hätte nicht größer sein können, Gebirgsflüsse sind ja bekanntlich frisch.

Der Radweg wurde kurz darauf zur Schotterpiste, vermutlich eine alte Bahntrasse, denn wir passierten immer wieder kleine Gebäuderuinen direkt am Weg und auch die Steigungen hielten sich sehr in Grenzen. Nach einem kurzen Zwischenstopp beim Supermarkt in Kobarid wechselten wir wieder auf einen unbefestigten Weg, der mit jedem Kilometer schlechter wurde bis uns nichts anderes übrig blieb als wieder abzusteigen und die Räder einen steilen Pfad aus groben Geröll hoch zu schieben. Spätestens jetzt war die Laune so richtig im Keller. Das sowas absehbar war hätte uns klar sein können: Außer einer kleinen Radtour hatten wir uns vorher sportlich nicht nennenswert vorbereitet. Unsere Hoffnung, die Fitness komme schon im Laufe der Reise, rächte sich jetzt gnadenlos. Ich hatte echt Muskelkater, diese Belastung mit 17kg Gepäck, einem neuen Rad mit neuem Sattel war ich einfach nicht gewohnt. Bei der nächstmöglichen Gelegenheit verließen wir den „Radweg“ und wechselten auf die, leider recht vielbefahrene, Straße. Wie die Tage davor fanden wir hinter der Stadt Lozice im halbdunkel ein Stück Strand das ausreichend geschützt war um unbemerkt das Zelt aufzustellen.

Etappe 3: 66,2km – 850Hm


Der vierte Tag begann ohne eine Wolke am Himmel und mit einem badenden Hund vor dem Zelt. Das Mittelmeer war in greifbarer Nähe und wir hoch motiviert weiter zu fahren. Nach wenigen Kilometern standen wir vor einem gesperrten Radweg. Der Asphalt war in bestem Zustand, der Grund der Sperrung war uns unerklärlich und die Umleitung mit viel Steigung war so früh am Tag wenig attraktiv. Wir waren uns relativ schnell einig es einfach drauf anzulegen und den Weg trotzdem zu nehmen. Im schlimmsten Fall würden wir halt umkehren müssen, wozu es glücklicherweise nicht kam. Ohne Probleme erreichten wir die Grenze: Hallo zurück in Italien! Der kleine See im Naturreservat Di Lago Doberdò war für die Mittagspause nicht sinnvoll gelegen also fuhren wir weiter: Die Mittagspause am Meer zu machen war Motivation genug – Es war eh viel zu warm um die Mittagszeit und so saßen wir dann eine ganze Weile im Schatten alter Bäume im Hafen eines kleinen Örtchens und tranken Kaffee.

Nach der Pause ging es über den Küstenweg nach Triest. Das Kontrastprogramm hätte größer nicht sein können: von 0 auf 100 waren wir in einer sehr lauten, sehr hektischen Stadt voller gestresst – aggressiven Autofahrer die mit ihrer sehr verschlungene Straßenführung und unendlich vielen Einbahnstraßen mir so ziemlich den letzten Nerv raubte. Der Radweg aus der Stadt heraus, zurück in die Berge, war dann trotz des fehlenden Asphalts eine echte Erlösung. Naja und ein einzig langer Anstieg mit malerischem Blick über die Stadt, der zum Glück nicht super steil und dabei auch sehr homogen war.  Unterwegs lernten wir ein Pärchen aus Deutschland kennen, die auch mit dem Rad in der Region unterwegs waren. Spontan ergab sich, das die Beiden auch noch kein Ziel hatten und beschlossen ein Stück gemeinsam zu fahren. Als gemeinsamen Zeltplatz fand sich eine verstecke Wiese kurz hinter der Grenze nach Slowenien.

Etappe 4: 82,9km – 1001Hm


Nach einer recht ruhigen Nacht und gemeinsamen Frühstück trennten
sich unsere Wege wieder. Wir waren einfach deutlich zügiger unterwegs.
Da es wieder relativ heiß werden sollte, war unsere größte Sorge nicht
genug Wasser dabei zu haben. Ein kleiner Umweg, der dem verschütteten
Radweg geschuldet war, gestaltete sich dann doch etwas abenteuerlicher
als erwartet. Vor allem loses Geröll und schlechte Beschilderung machten
uns etwas zu schaffen, führte uns aber zum Glück an einem kleinen
Friedhof vorbei. Da es in weiten Teilen Europas auf Friedhöfen einen
öffentlichen Wasserhahn gibt, war das unsere Chance die Flaschen wieder
aufzufüllen. Kurz darauf trafen wir Marco, einen Italiener mit dem
Rennrad auf dem Weg nach Athen war, und der uns im nächsten Ort spontan
auf eine Cola einlud.

Auf die kurze Pause folgte ein sehr stressiges Stück über Landstraße Richtung Rijeka. Es ist leider die einzige Straße weit und breit, also nehmen sie alle Verkehrsteilnehmer. Sengende Sonne, kein noch so kleines Stückchen Schatten und sehr viele LKWs, die viel zu eng an uns vorbei donnerten. Ich hatte bald echt keine Lust mehr. Für etwas Entschädigung sorgte dann die lange und kurvenreiche Abfahrt durch ein schmales Tal nach Rijeka. So richtig konnten dort aber auch nicht entspannen, da wir mussten dringend Lebensmittel einkaufen mussten. Naja. und ein miniUSB-Kabel. Ich hatte es total übermüdet beim Packen zu Hause am Laptop stecken lassen. Blöderweise was das die fehlende Verbindung um mit dem Guide 10 von Goal Zero die Akkus fürs GPS zu laden. Letztendlich hatten dann echt Glück: ein kleiner Handyladen hatte ein Allerletztes in der Vitrine und die folgenden 12€ Lehrgeld dafür gingen auf mein Konto. (Naja und ein Bier, wir hatten die Abmachung, das derjenige, dem zuerst auffällt das er etwas vergessen hat, ein Bier ausgeben muss) Nach einen kurzen Besuch im Hafen (Ich wollte unbedingt einen Blick auf die „Galeb“ werfen) fuhren wir stadtauswärts eine, mal wieder, sehr bergige, stark befahrene Straße hinauf um kurz hinter Kraljevica einen Campingplatz anzusteuern: Wir wollten unbedingt einen Pausentag einlegen um zu waschen, mal wieder richtig zu duschen und in der Hängematte zu faulenzen. Ach ja, und die Fahrräder wollten wir auch noch warten.

Etappe 5: 97,9km – 1362Hm


Balkan by Bike – 02 – die Ausrüstung

Je detaillierter die Planung wurde umso schneller wurde uns klar: Im Bikepacking-Stil ist diese Reise nicht zu machen, dafür sind wir zu lange und zu selbstständig unterwegs. Naja, und wir waren nicht bereit auf Ausrüstung wie ein Kopfkissen oder ähnlichen „Luxus“ zu verzichten. Damit stand fest, wir würden ganz klassisch mit dem Touren-Rad fahren. Die Packliste war lang und wurde mehrfach umgeworfen. Das blieb über und wurde mitgenommen:

Das Fahrrad

Ich fahre ein Trek 520 Stahlrad als Custom-Aufbau:

  • Shimano XT M8000 2×11 Schaltung (vorne 27-37, hinten 11-42)
  • Shimano XT M8020/M8000 Scheibenbremsen
  • Thomson X4 Vorbau mit SQLab 302 Lenker und Ergon GP1 Griffe
  • Thomson Elite Sattelstütze mit Ergon SFC3 Evo Sattel
  • Mavic Laufräder mit Shimano XT Nabendynamo und Marathon Supreme Evo Mänteln
  • Shimano XT Platform/Klick Kombipedale
  • Tubus Logo evo und Tara Lowrider
  • Son Edelux Lichtanlage
  • Forumslader für den Boardstrom
  • TopPeak Alien 2, Leatherman Surge, Ersatz Speichen + Nippel, Ersatz Schalt- & Bremszüge, Flicken, Ersatzschlauch, Mantelheber)

Das Rad ist erkennbar nicht auf kleines Gewicht oder hohe Geschwindigkeiten sondern vielmehr auf lange, steile Strecken mit hohem Komfort optimiert. Gerade die Übersetzung hat sich als ideal für lange Anstiege mit viel Gepäck erwiesen. Die Entscheidung für den Schwalbe Marathon Supreme Evo war komplizierter: Zum einen habe ich viel schlechtes über meinen eigentlichen Favoriten, den Mondial gehört, zum anderen wollten wir ja keine reine Gravel/Cross Tour machen und nur Schotter fahren. Der Supreme Evo war auf meinem alten Tourenrad über 10.000km pannenfrei (meist auf der Straße und Waldwegen) gewesen, also blieb ich dabei.

Wohin mit dem Gepäck

Wir haben sehr lange diskutiert. Die Ortlieb Back & Sportroller waren gesetzt, aber welche Variante? Plus, Classic oder Free?! Die Taschen der Plus Serie sind deutlich leichter und laut Ortlieb auch abriebfester. Dem gegenüber stand die deutlich bessere Haltbarkeit der PVC haltigen Classic Serie. Free war relativ schnell raus, vermutlich wegen der geringen Erfahrungswerte. Meine Entscheidung fiel letztendlich auf die klassischen PVC haltigen Taschen. Vor allem wegen der deutlich besseren Stabilität an den Roll- und Knickstellen. Auf der Waage tat es allerdings schon echt weh, fast ein halbes Kilo mehr zu haben. Zusätzlich habe ich eine Outer Pocket an einen der Back Roller montiert. Dort fand alles Platz was man braucht wenn es schnell gehen muss: Regenkleidung, Klopapier und Schaufel. Um Lebensmittel und Wasser für mehrere Tage mit zu nehmen hatten wir ein Ortlieb RackPack dabei das die beiden Backroller ergänzt.

Strom…

… kommt leider nicht einfach aus der Steckdose. Trotzdem brauchen viele Gerätschaften Strom. Unsere Wahl fiel auf den Forumslader-Bausatz mit 3×18650 Akkus. Ein vergleichbares Solarpanel war zwar vorhanden, aber doch zu schwer. Da wir Beide keine Lenkertasche am Rad haben, verschwand der Forumslader mitsamt dem zu ladenden Gerät in einer wasserdichten DIY-Rahmentasche. Geladen wurde damit: AA Akkus fürs Garmin GPSmap 62, InReach mit internem Akku, Petzl Stirnlampe, Nikon DSLR Akku, Handy, Sony Actioncam und die Powerbank wenn gerade sonst kein Bedarf war. Fazit nach der Reise: Wenn ich auch immer dran gedacht hätte Geräte anzuschließen, hätte ich nie zu wenig Strom gehabt. (zum Glück nur einmal passiert)

Kochen & Co

Die Brennstoff-Frage haben wir recht schnell geklärt: Es blieb wohl nichts anderes übrig als mit Benzin zu kochen: Tankstellen gibt es überall, es sind keine obskuren Adapter nötig und es ist konkurrenzlos billig. (Ja, ok, die Qualität des Benzins kann sehr unterschiedlich sein) Die „Küche“ im Überblick:

  • Optimus Polaris mit großer Benzinflasche & Wartungskit und Windschutz
  • MSR Alpine Topfset mit Kettle
  • MSR Alpine Bowl
  • GSI Infinity-Backpackers Mug
  • Titan Spork + kleiner Evernew Löffel
  • Leatherman Surge + Opinel Nr 8
  • Sea to Summit Wilderness Wash + Küchenschwamm + Trockentuch
  • Coghlans PE Schneidbrett
  • Salz, Pfeffer, Kräuter der Provence, Chilipulver, Kakaopulver, Trekn Eat Milchpulver, Öl
  • Katadyn BeFree Wasserfilter-Element in Hydrapak Seeker 2L
  • Ortlieb Wassersack 4L
  • 2 Trinkflaschen

Wir haben fast jeden Liter Wasser aus Bächen & Co genommen und mit dem BeFree gefiltert. Das mag etwas paranoid erscheinen, Freunde hatten sich jedoch kurz vorher ohne Wasserfilter im Sarek Nationalpark eine Magen-Darm Infektion eingefangen und das wollten wir um jeden Preis vermeiden.

Schlafen

Unsere Idee, möglichst viele Nächte in der Hängematte zu schlafen lies sich leider nicht wie gedacht umsetzen. Das Zelt, eigentlich nur für Notfälle gedacht (zu kalt, keine Bäume, etc),  war dann doch zu komfortabel. Lediglich eine Nacht haben wir unterm Tarp in der Hängematte verbracht. Ich hatte dabei:

  • MSR Hubba Hubba HP + Footprint + 6 Heringe
  • Thermarest ProLite
  • Western Mountaineering Summerlite
  • Vaude Pillow M
  • DIY Hängematte
  • DIY Tarp
  • Sea to Summit Hammock BugNet

Bekleidung

Viele Wege führen nach Rom: das hier ist meiner. Auf langen Radreisen setze ich auf schnell trocknende und pflegeleichte Kleidung, was in meinem Fall mit Kunstfaser-Bekleidung gleichzusetzen ist, da ich nassgeschwitzte Merinowolle furchtbar auf der Haut finde. Die Idee war den Temperaturbereich von leichten Minusgraden bis plus 30°C, sowohl unter voller körperlicher Aktivität als auch ruhend abzudecken. Letztendlich bin ich die überwiegende Zeit mit Leggins, kurzer Hose, Unterwäsche-Shirt und dann je nach Temperatur zusätzlicher Schicht gefahren. Auch wenn es brutal heiß ist fahre ich lieber mit langer Kleidung, schon allein um einen Sonnenbrand zu verhindern. Die kurze Hose trage ich um mich „angezogener“ zu fühlen und habe zusätzliche Taschen für Kleinkram.

  • Mammut GoDry Shirts + Boxer
  • Arcteryx Phase AR Longsleeve
  • Vaude Bike Innerpants
  • Kwark ThermoPro lite Leggins
  • Prana kurze Strech-Hose
  • Badehose
  • Woolpower 400 Socken
  • 2x Buff
  • Mountain Equipment Squall Softshell
  • Mountain Equipment Eclipse Fleece
  • Arcteryx Atom LT Hoody
  • Arcteryx Alpha SV Hardshell
  • Mountain Equipment Zeno Hardshell Pants
  • Vaude Bike Gaitors long
  • Vaude TVL-Pavei Radschuhe
  • FiveFingers EL-X

Balkan by Bike – 01 – how to?!

Ganz von vorn: Wie plane ich so eine Reise?

Ich plane alle meine Radreisen in Garmin BaseCamp um tatsächliche Kilometer und vor allem Höhenmeter abschätzen zu können. Für Reisen in Europa kann ich die OpenFietsMap Europe  wärmstens empfehlen. Sie enthält Straßen und Radwege aber auch Wanderwege und Pfade die beispielsweise in der Topo Active Europe von Garmin nicht enthalten ist. Im Prinzip ist es eine topografische Karte mit farblich hervorgehobenem Fernradwegenetz. Zu den OFM/OSM Problemen komme ich später noch. Als Erstes setze ich Wegpunkte überall dort wo ich vorbei kommen möchte. Diese Punkte basieren auf Empfehlungen von FreundInnen, KollegInnen, online Recherchen und ganz klassischer Reiseliteratur (wie z.B. die jahrzehnte dicke Sammlung GEOspecial Hefte meiner Eltern). Teilweise sind diese Empfehlungen auch Streckenabschnitte oder Wege. Diese versuche ich wenn möglich als GPX Datei zu bekommen, andernfalls rekonstruiere ich Sie in Basecamp. Meistens lässt sich nun schon eine grobe Reiserichtung erkennen die dann weiter ausgearbeitet werden muss. Dabei bemerkt man dann schnell was möglich ist und was nicht: Durch simples verbinden einzelner gesammelter Wegpunkte kommen schnell Distanzen (und vor allem Höhenmeter) zusammen die astronomisch hohe Werte erreichen. Nun gilt es abzuwägen welche Ziele fix sind, was diskutabel ist (wollen wir wirklich für diesen Wasserfall 90km Umweg mit 1400 Höhenmetern fahren?) und vor allem was in der gesetzten Zeit auch realistisch zu fahren ist. Steht ein erster Entwurf der Route gilt es diese zu optimieren: BaseCamp routet nicht nach „Schönheit“ einer Strecke! Nur weil die Software vorschlägt so zu fahren, heißt es nicht das dies auch sinnvoll ist: vielbefahrene Straßen oder Hauptverkehrsstraßen würde ich immer wo möglich meiden. Ganz vermeiden lässt es eh nicht und bedeutet immer Stress und ein gewisses Gefahrenpotential durch andere, meist überlegenere Verkehrsteilnehmer. Manchmal ist es möglich auf Forstwege oder Schotterpisten auszuweichen, letztendlich bleibt aber jedem selbst überlassen wie weit man dort gehen möchte. (vom deutlich geringeren Fahrtempo auf Schotter und meist längeren Wegen ganz abgesehen) Kleiner Tipp: auf einem zweiten Bildschirm den gleichen Kartenausschnitt bei Google maps öffnen und anhand der Satellitenbilder die Straße und Umgebung beurteilen. Fehler in OSM basierten Karten sind nämlich nicht auszuschließen und die persönliche Schmerzgrenze welcher Weg noch „beradelbar“ ist mag stark variieren.

Je nachdem wie akribisch man so eine Reise planen will dauert das ausarbeiten der Strecke viel Zeit. In diesem Fall waren es bestimmt 10 Stunden oder mehr, inklusive verschiedener Optionen für extra Ziele für den Fall wir das wir schneller als gedacht wären und Abkürzungen für den Fall das wir länger brauchen oder Unvorhergesehenes passiert.

Wenn alles fertig ist bleibt die große Frage: wie realistisch ist mein Plan? Die so ausgearbeitete Route kann nur so gut sein wie Kartenmaterial und Planung es ermöglichen. Unsere finale Route sah in etwa so aus:

1.427Km, 34.652Hm in 31 Tagen

Mit einem Tag für die Anreise, einem Tag für die Abreise bleiben ohne Pausentage ca. 50km und 1.195Hm pro Tag. Das dies eine Milchmädchenrechnung ist wird jedem klar sein, der schon mal mit dem Rad längere Distanzen gefahren ist. Zum einen sind richtige Pausentage bei Touren die länger als eine Woche sind echt wichtig, Spaß soll das ganze ja auch machen und deutlich über 1000Hm pro Tag sind auch heftig. Hier sollte man beachten das die Höhenmeterangaben mit OFM/OSM Karten in Basecamp meistens deutlich zu hoch sind. Das liegt meines Wissens daran das die Höheninformationen in der Karte keine Tunnel und Brücken berücksichtigen. Im Routing sieht eine Fahrt durch einen Tunnel im Höhenprofil aus wie „einmal komplett über den Berg drüber gefahren“, was natürlich nicht der gefahren Realität entspricht. Zum Vergleich habe ich das aufgezeichnete Höhenprofil der Reise hier:

Eine richtige Faustregel zur Abschätzung realer Höhenmeter gibt es leider nicht, je bergiger das Relief umso größer wird der Fehler sein. Auf die Daten zur Länge der Stecke kann man sich jedoch wirklich verlassen.

Eine weitere Besonderheit quasi aller OSM basierter Karten ist die landestypische Schreibweise für Straßen, Städte und POI. Diese weichen häufig von den „eingedeutschten“ in GoogleMaps ab, wenn ein andere Alphabet (in unserem Fall Kyrillisch) dazu kommt, kann es zu Verwirrungen kommen. Die Verständigung mit Locals wird aber meist einfacher wenn man sie nach Städten in Ihrer Sprache fragt.

Was wäre wenn…

Es kann auf langen Reisen die möglichst fernab von Menschen geplant wird immer zu Unvorhergesehenem wie Unfällen, Krankheiten, Defekten, etc. kommen. Versucht diese Fälle in der Planung mitzudenken. Das kann z.B. bedeuten euch kritische Abschnitte zu markieren und gezielt einen Pausentag zur Regeneration und Wartung des Rads zu machen. Für Länder außerhalb der EU kann es sinnvoll sein eine Prepaid-Simkarte zu kaufen oder vorab zu recherchieren ob es in der Region überhaupt ein Mobilfunknetz gibt. Weitere wichtige Informationen wie Einkaufsmöglichkeiten vor langen Etappen können hilfreich sein, ebenso wie das Bahnnetz ausgebaut ist und welche anderen Transportoptionen mit eventuellen lokalen Besonderheiten bestehen. Letztendlich ist informiert sein gut und wichtig, vor Ort ist dann sowieso vieles Anders als gedacht. Davon sollte man sich nicht aus der Ruhe bringen lassen und improvisieren können, denn das macht ja auch einen Teil einer solchen Reise aus…

Balkan by Bike – 00 – die erste Idee

Viele gute Ideen beginnen bei einem Bier, so auch diese. Irgendwann im Frühjahr 2019 saß ich mit meinem Arbeitskollegen David zusammen und wir sponnen Ideen über unsere nächsten Reiseziele. Ich hatte im Vorjahr mit dem Rad die Alpen überquert und uns war schnell klar: wir machen eine längere Radreise! Also so drei Wochen! Mindestens! Irgendwohin, wo wir noch nie waren! Alles Ultralight und so viel Natur und Nationalparks wie möglich!  Es wurde dann ein längerer Abend…

Aber die Idee war geboren und in den folgenden Monaten mit fortschreitenden Planungen und Recherchen mehrfach begeistert immer wieder verworfen und verändert. Dazu kamen harte Entscheidungen: konsequent minimalistisch sein und auf ein Zelt verzichten? Reichen uns Tarp & Hängematte für so lange Zeit? Kochen mit Gas oder Benzin? Welchen Schlafsack? Woher kommt der Strom für Handy, GPS, Stirnlampe & Co? Wie verhalten wir uns bei Kontakt mir Straßenhunden? Was tun bei einem Unfall? Reiseapotheke? und viele Fragen mehr.

Am Ende stand unsere Route: Start in Villach (Österreich), durch Slovenien, Italien, Kroatien, Bosnien Herzegowina, Montenegro, Albanien, Kosovo, Nord Mazedonien bis nach Thessaloniki in Griechenland. 1500 km auf denen wir so wenig feste Unterkünfte wie möglich nutzen und möglichst abseits aller Touristen die Länder entdecken wollen.

Nach längeren Verhandlungen bekamen wir 31 Tage Urlaub bewilligt. Und damit ging die eigentliche Planung erst richtig los!